Zeckenimpfung Schweiz: Wer sie braucht, wie lange sie schützt und was die Krankenkasse zahlt
Von der Redaktion pharmonline.ch · Geprüft: April 2026 · Lesedauer: ca. 7 Minuten · Quellenverzeichnis
Es ist Sonntagnachmittag. Der Waldspaziergang war schön, die Kinder sind müde. Beim Duschen entdeckt die Mutter an der Kniekehle der Tochter eine Zecke. Sie zieht sie heraus, desinfiziert, atmet durch. Und dann kommt die Frage, die viele in diesem Moment zum ersten Mal wirklich stellen: Wann waren wir eigentlich zuletzt beim Impfen?
Was viele in diesem Moment realisieren: Sie wissen nicht mehr genau, ob ihr Schutz noch gilt — oder ob er je vollständig aufgebaut wurde. Manche haben nie angefangen. Andere wissen, dass da irgendwann mal zwei Spritzen waren, aber die dritte fehlt. Und wer schon länger nicht mehr nachgeschaut hat, ist oft überrascht, wie rasch die Auffrischung fällig wird.
Das Thema ist dringlicher als viele denken. Fast die gesamte Schweiz gilt als Risikogebiet.[Q1] Wer draussen Zeit verbringt — im Wald, im Garten, am See — kann mit einer infizierten Zecke in Kontakt kommen. Gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Viruserkrankung des Nervensystems) gibt es keine spezifische Therapie; behandelt werden können nur die Symptome. Vorbeugung ist daher zentral.[Q2]
Wo genau Ihr Wohnort liegt, zeigt die offizielle BAG-Risikokarte:
FSME-Risikokarte Schweiz prüfen →
Wer braucht die Zeckenimpfung?
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Zeckenimpfung für alle Personen ab 3 Jahren, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten — beruflich oder in der Freizeit.[Q1] Mit Ausnahme des Kantons Tessin gilt die gesamte Schweiz als Risikogebiet. Der Kanton Genf wurde im Sommer 2024 neu in die Liste aufgenommen.[Q3]
Ein wichtiger Hinweis zum Tessin: Wer dort wohnt, aber regelmässig in andere Kantone reist oder Freizeitaktivitäten in Risikogebieten plant, bleibt exponiert. Die kantonale Einstufung schützt nicht auf Reisen.
| Zielgruppe | Typische Exposition | Empfehlung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kinder ab 3 Jahren | Wald, Schulausflüge, Spiel im Freien | Vollständige Impfserie | Eltern und Geschwister ebenfalls prüfen |
| Erwachsene 18–59 J. | Freizeit, Garten, Pendeln | Impfserie + Auffrischung | Schnellschema bei kurzfristiger Planung möglich |
| Personen über 60 J. | Wandern, Garten, Landwirtschaft | Impfserie + ärztliche Beurteilung Auffrischung | Schwächere Immunantwort möglich |
| Berufsexponierte | Forst, Landwirtschaft, Bau | Vollständige Impfserie prioritär | Ggf. über Arbeitgeber koordinieren |
| Schwangere | Individuell | Ärztliche Abklärung | Nutzen-Risiko-Entscheid individuell |
Ob der eigene Impfausweis aktuell ist, lässt sich unkompliziert in der Apotheke prüfen — kein Arzttermin nötig.
Impfschema und Auffrischung: Was gilt wann?
Die vollständige Impfserie (Grundimmunisierung) besteht aus drei Dosen. Ein langfristiger Schutz wird mit der dritten Dosis aufgebaut. Die zweite Dosis folgt 1 bis 3 Monate nach der ersten, die dritte 5 bis 12 Monate nach der zweiten.[Q4]
| Schema | Dosis 1 | Dosis 2 | Dosis 3 | Erste Auffrischung |
|---|---|---|---|---|
| Standard | Tag 0 | Monat 1–3 | Monat 6–12* | Alle 10 Jahre |
| Schnellschema | Tag 0 | nach 14 Tagen* | gemäss Impfstoff | Alle 10 Jahre |
*je nach Impfstoff
Bei fortbestehendem Risiko werden Auffrischimpfungen in der Schweiz alle 10 Jahre empfohlen. In bestimmten Situationen, insbesondere bei Personen über 60 Jahren, kann ein kürzeres Intervall sinnvoll sein. Wer eine Auffrischung verpasst hat, muss nicht von vorne beginnen; eine einzelne Auffrischungsdosis genügt. [Q4]
Kosten 2026: Was übernimmt die Krankenkasse?
Seit dem 1. Januar 2026 sind empfohlene Impfungen gemäss Schweizerischem Impfplan von der Franchise befreit.[Q5] Das bedeutet: Empfohlene Impfungen und die dazugehörige Beratung sind von der Franchise befreit. Die Kostenübernahme hängt jedoch vom Durchführungsort und einer allfälligen ärztlichen Verschreibung ab. Der Selbstbehalt von 10 Prozent bleibt weiterhin bestehen.
Bei einer Impfung in der Apotheke werden Impfstoff und Verabreichung ohne ärztliche Verschreibung in der Regel nicht von der OKP übernommen. Mit ärztlicher Verschreibung kann der Impfstoff übernommen werden; die Kosten der Verabreichung in der Apotheke gehen meist zulasten der geimpften Person. Fragen zur eigenen Situation klärt die Apotheke oder Krankenkasse direkt.
Wann und wo Zecken aktiv sind
Zecken sind in der Schweiz von Mitte Februar bis Mitte November aktiv.[Q6] Die Vorstellung, Zeckengefahr bestehe nur im Hochsommer oder tief im Wald, stimmt nicht mehr. Typische Lebensräume sind Waldränder, Gebüsch, hohes Gras und feuchte Wiesen. Wer im Garten arbeitet, mit dem Velo fährt oder Kinder im Park spielen lässt, kann genauso in Kontakt kommen.
Der beste Zeitpunkt für die Impfung ist vor der Hauptaktivitätsphase im Frühling. Wer jetzt noch nicht geimpft ist, sollte nicht bis nächstes Jahr warten.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Zeckenimpfung gilt als gut verträglich. Häufig treten lokale Reaktionen an der Einstichstelle auf: leichte Rötung, Druckgefühl, gelegentlich eine kleine Schwellung.[Q7] Vorübergehende Müdigkeit in den ersten 24 Stunden kommt ebenfalls vor. Beides klingt rasch ab.
Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten.[Q8] Swissmedic überwacht die Sicherheit zugelassener Impfstoffe laufend. Wer bekannte Allergien hat oder Fragen zur Verträglichkeit, bespricht das im Vorfeld in der Apotheke oder bei der Ärztin.
Warum viele die Zeckenimpfung aufschieben — und was dagegen spricht
Die häufigsten Gründe, warum die Impfung aufgeschoben wird — und was der Faktenstand dazu ist:
„Ich bin doch selten im Wald."
Fast die gesamte Schweiz gilt als Risikogebiet. Zecken leben auch in Parkanlagen, Gärten und an Waldrändern. Wohnort entscheidet mehr als Freizeitverhalten.
„Das ist doch nur im Sommer ein Thema."
Zecken sind von Mitte Februar bis Mitte November aktiv.[Q6] Bei milden Wintern auch darüber hinaus. Die Saison beginnt früher als viele denken.
„Das kostet mich zu viel."
Seit 2026 sind empfohlene Impfungen von der Franchise befreit; der Selbstbehalt bleibt. Bei Impfungen in der Apotheke hängt die Kostenübernahme von der ärztlichen Verschreibung und dem Setting ab.
„Ich weiss nicht mehr, ob ich schon geimpft war."
Der Impfausweis liegt irgendwo oder ist verloren. Kein Problem. Apotheken prüfen den Impfstatus und unterstützen bei der Dokumentation oder beim weiteren Vorgehen. Kein Arzttermin nötig.
„Das ist mir zu aufwändig."
In vielen Kantonen ist die Impfung in der Apotheke rasch und ohne Arzttermin möglich.[Q9] Keine Wartezeit wie beim Hausarzt.
„Ich habe Angst vor Nebenwirkungen."
Lokale Reaktionen wie Druckgefühl sind häufig und klingen rasch ab. Schwere Nebenwirkungen sind selten.[Q8] Das Risiko einer unbehandelten FSME-Erkrankung überwiegt deutlich.
Impfberatung in der Apotheke
Je nach Kanton dürfen entsprechend qualifizierte Apothekerinnen und Apotheker die Zeckenimpfung in der Apotheke durchführen.[Q10] Die kantonalen Regelungen unterscheiden sich. pharmaSuisse führt eine aktuelle Übersicht nach Kanton.[Q11]
Was die Apotheke immer kann: Impfausweis prüfen, fehlende Dosen identifizieren, zu Beratung und Termin weiterleiten. Wer seinen Schutz nicht kennt, findet dort eine schnelle, niederschwellige Antwort. Ohne Wartezeit, ohne Arzttermin.
FSME und Borreliose: zwei Erkrankungen, eine Zecke
Zecken können verschiedene Erreger übertragen. In der Schweiz sind zwei besonders relevant: das FSME-Virus und die Bakterien, die Lyme-Borreliose verursachen.[Q2] Beide werden durch denselben Zeckentyp übertragen — sie verlaufen aber sehr unterschiedlich.
FSME ist eine Viruserkrankung des Nervensystems. Es gibt keine ursächliche Therapie, aber eine wirksame Impfung. Borreliose wird durch Bakterien verursacht und kann bei früher Diagnose mit antibakteriellen Wirkstoffen behandelt werden.[Q12] Gegen Borreliose ist in der Schweiz keine Impfung zugelassen.
Der häufigste Hinweis auf Borreliose ist eine Wanderröte: eine ringförmige Hautrötung, die sich um die Einstichstelle ausbreitet. Bei FSME beginnen die Symptome meist 1 bis 2 Wochen nach dem Stich — oft grippeähnlich. Beide Erkrankungen erfordern ärztliche Abklärung. Die Zeckenimpfung schützt ausschliesslich vor FSME.
Besonderheiten für Personen über 60
Für Menschen über 60 ist die Zeckenimpfung besonders relevant. Bei ihnen verläuft eine FSME-Erkrankung häufiger schwer — das Zentralnervensystem ist öfter betroffen.[Q2] Gleichzeitig kann das Immunsystem im Alter auf Impfungen schwächer ansprechen.[Q13]
Das bedeutet nicht, dass die Impfung weniger sinnvoll ist. Eine individuelle Impfberatung ist deshalb sinnvoll. Die allgemeinen Schweizer Empfehlungen sehen bei fortbestehendem Risiko Auffrischimpfungen alle 10 Jahre vor; bei Personen über 60 kann ein kürzeres Auffrischintervall in Betracht gezogen werden, je nach individueller Risikobeurteilung. Wer über 60 ist und den letzten Impftermin nicht mehr kennt, lässt den Ausweis am einfachsten in der Apotheke prüfen.
Häufige Fragen zur Zeckenimpfung
- Wer braucht die Zeckenimpfung in der Schweiz?
- Alle Personen ab 3 Jahren, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten. Mit Ausnahme des Kantons Tessin gilt die gesamte Schweiz als Risikogebiet. Genf wurde im Sommer 2024 neu aufgenommen.[Q1]
- Wie lange schützt die Zeckenimpfung?
- Die Grundimmunisierung umfasst drei Dosen. Bei fortbestehendem Risiko werden Auffrischimpfungen alle 10 Jahre empfohlen.[Q4]
- Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
- Seit dem 1. Januar 2026 sind empfohlene Impfungen und die dazugehörige Beratung von der Franchise befreit; der Selbstbehalt bleibt. Bei Impfungen in der Apotheke gelten besondere Regeln: Ohne ärztliche Verschreibung werden Impfstoff und Verabreichung in der Regel nicht von der OKP übernommen.[Q5]
- Was tun nach einem Zeckenstich?
- Zecke so rasch wie möglich mit einer feinen Pinzette gerade herausziehen. Einstichstelle beobachten.[Q2] Bei Wanderröte oder grippeähnlichen Symptomen sofort ärztliche Abklärung suchen.
- Schützt die Zeckenimpfung auch gegen Borreliose?
- Nein. Die Zeckenimpfung schützt ausschliesslich vor dem FSME-Virus. Gegen Borreliose gibt es in der Schweiz keine zugelassene Impfung.[Q2]
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Quellen
- BAG — FSME: Empfehlung, Risikogebiete und Impfung
Offizielle Empfehlung für Personen ab 3 Jahren in Risikogebieten, Risikogebietskarte Schweiz.
bag.admin.ch/de/fruehsommer-meningoenzephalitis-fsme - BAG — Zeckenübertragene Krankheiten: FSME und Borreliose
Übertragung, klinischer Verlauf FSME (ZNS-Beteiligung 5–15%), Borreliose-Abgrenzung, Verhalten nach Zeckenstich.
bag.admin.ch/de/zeckenuebertragene-krankheiten - Schweizerischer Impfplan 2025 — BAG / Neuerungen Genf und Risikogebiete
Kanton Genf seit Sommer 2024 neu im Risikogebiet. Tessin ausgenommen. Empfehlung ab 3 Jahren.
BAG Impfplan 2025 (PDF) - INFOVAC — Zeckenenzephalitis FSME: Impfschema, Schutzdauer, Mortalität
Standard- und Schnellschema, Auffrischintervalle, Mortalität 1% bei neurologischem Verlauf, Kleinkinder unter 6 Jahren seltener schwer betroffen.
infovac.ch/de/impfunge/nach-krankheiten-geordnet/zeckenencephalitis-fsme - BAG — Impfungen ab 1. Januar 2026 von der Franchise befreit
Empfohlene Impfungen gemäss Impfplan franchisefrei ab 2026, Abrechnung über OKP, Selbstbehalt bleibt.
bag.admin.ch/de/newnsb/9WndEYDLnuu3bVmIzrkdd - ars medici / Rosenfluh — FSME: Saisonalität und Aktivitätsperiode
Zecken aktiv von Mitte Februar bis Mitte November, bei milden Temperaturen auch darüber hinaus.
rosenfluh.ch — ars medici FSME Schweiz - Swissmedic — Arzneimittelinformation FSME-Impfstoff
Häufige Nebenwirkungen: lokale Reaktionen, Müdigkeit. Verträglichkeitsprofil.
swissmedic.ch - Swissmedic — Sicherheitsüberwachung Impfstoffe Schweiz
Seltene schwerwiegende Nebenwirkungen, laufende Sicherheitsüberwachung.
swissmedic.ch - pharmaSuisse — Impfen in der Apotheke
Zeitaufwand Impfung Apotheke: „schneller als ein Kaffee to go". Unkomplizierter Zugang.
pharmasuisse.org — Impfen und Impfberatung - pharmaSuisse — Impfberechtigung Apotheken nach Kanton
Kantonale Regelungen zur Verabreichung von Impfungen in Apotheken.
pharmasuisse.org — Impfen und Impfberatung - pharmaSuisse — Übersicht Impfleistungen Apotheken
Aktuelle kantonale Übersicht Impfberechtigung, Apotheke als Impffachstelle.
pharmasuisse.org - BAG — Borreliose: Übertragung, Symptome, Behandlung
Lyme-Borreliose durch Bakterien, Behandlung mit antibakteriellen Wirkstoffen, keine Impfung in CH zugelassen.
bag.admin.ch/de/borreliose - ars medici / Rosenfluh — FSME-Impfung bei Personen über 60
Schwächere Immunantwort im Alter, mögliche Anpassung Auffrischintervall, individuelle Beurteilung.
rosenfluh.ch