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Darmgesundheit und Mikrobiom

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zu Darmgesundheit und Mikrobiom. PharmOnline betreibt keinen Verkauf und berät selbst nicht medizinisch. Alle Inhalte beruhen auf überprüfbaren Schweizer Quellen. Die individuelle Beratung erfolgt durch unabhängige Fachpersonen. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Fachberatung. Es besteht keine Kooperation mit Herstellern.

Darmgesundheit und Mikrobiom: Darmflora natürlich aufbauen

Manchmal meldet sich der Bauch leise: Blähungen, die bleiben. Völlegefühl nach dem Essen. Oder die Verdauung läuft nicht mehr so verlässlich wie früher. Viele Menschen wissen dann nicht, wo sie anfangen sollen.

Ihr Darmmikrobiom – die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm – spielt dabei eine zentrale Rolle. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, wie sie die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, unterstützt Verdauung, Immunsystem und Wohlbefinden. [1] Die Forschung zum Mikrobiom entwickelt sich dynamisch; viele Zusammenhänge werden weiterhin untersucht. 

Dieser Beitrag zeigt Ihnen einen strukturierten Weg: vom Erkennen der Signale über das Verstehen der Zusammenhänge bis zu konkreten Alltagsmassnahmen – und wann fachliche Begleitung sinnvoll ist.

Schritt 1: Wann braucht die Darmflora Unterstützung?

Diese Signale können auf ein Ungleichgewicht der Darmflora hindeuten: [2]

  • Anhaltende Blähungen oder Völlegefühl nach dem Essen
  • Wechselnder Stuhlgang (abwechselnd Durchfall und Verstopfung)
  • Beschwerden nach einer Antibiotika-Behandlung
  • Müdigkeit oder häufige Infekte ohne eindeutige Ursache

Die Beschwerden sind oft unspezifisch und schwer greifbar; die Ursachen sind häufig multifaktoriell. 

Wann sofort zum Arzt?
Bei folgenden Zeichen bitte umgehend ärztliche Hilfe suchen:
  • Blut im Stuhl oder sehr dunkler, teerartiger Stuhl
  • Starker, plötzlicher Gewichtsverlust ohne bekannte Ursache
  • Fieber über 38,5 °C in Verbindung mit Bauchschmerzen
  • Anhaltende Beschwerden länger als 4 Wochen trotz Selbstmassnahmen
Diese Symptome können auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen, die abgeklärt werden müssen.
Bei anhaltenden Beschwerden über mehr als 4 Wochen trotz Selbstmassnahmen ist eine ärztliche Abklärung empfohlen. 

Schritt 2: Was ist das Darmmikrobiom und warum ist es so wichtig?

Im Darm leben Milliarden von Mikroorganismen – Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen. [2] Die meisten davon sind nützlich: Sie helfen, Nahrung zu verwerten, stellen Vitamine her und stärken die Immunabwehr. Man nennt diese Gesamtheit aller Darmbewohner das Mikrobiom. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot – wenn also nützliche Bakterien abnehmen – spricht man von einer Dysbiose. Der Begriff Dysbiose beschreibt ein verändertes mikrobielles Gleichgewicht, ist jedoch keine klar definierte klinische Diagnose. 

Was das Gleichgewicht stören kann:

  • Antibiotika: Sie töten nicht nur krankmachende, sondern auch nützliche Darmbakterien ab. Das kann die Darmflora vorübergehend oder länger stören. [8]
  • Einseitige Ernährung: Wer wenig Gemüse, Früchte oder Vollkornprodukte isst, entzieht den Darmbakterien ihre wichtigste Nahrung. [3]
  • Dauerstress: Darm und Gehirn sind über Nervenbahnen direkt miteinander verbunden – die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Anhaltender Stress beeinflusst deshalb auch die Verdauung. [9]
  • Darminfekte: Bestimmte Krankheitserreger können das Gleichgewicht der Darmflora nachhaltig beeinträchtigen.

Schritt 3: Darmflora aufbauen – was im Alltag wirklich hilft

Für eine gesunde Darmflora braucht es oft keine radikalen Umstellungen. Diese Ansätze sind gut dokumentiert:

Ballaststoffe: Futter für gute Darmbakterien

Ballaststoffe (auch Nahrungsfasern genannt) sind Pflanzenfasern, die der Mensch selbst nicht verdauen kann – aber die nützlichen Darmbakterien sehr wohl. Sie fördern die Vielfalt der Darmflora. Gute Quellen sind Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 30 g Ballaststoffe täglich. [4]

Wichtig beim Erhöhen der Ballaststoffmenge: Steigern Sie die Zufuhr schrittweise und trinken Sie gleichzeitig mehr Wasser – mindestens 1,5 Liter täglich. Eine abrupte Erhöhung ohne ausreichend Flüssigkeit kann zu Blähungen oder Verstopfung führen.

Präbiotika: Gezielt die richtigen Bakterien ernähren

Präbiotika sind eine besondere Art von Ballaststoffen, die gezielt nützliche Darmbakterien ernähren. Man kann sie sich als «Dünger» für die guten Bewohner im Darm vorstellen. [7] Natürliche Quellen:

  • Chicorée und Artischocken (enthalten Inulin, ein bekanntes Präbiotikum)
  • Knoblauch und Zwiebeln
  • Spargel und Lauch
  • Haferflocken (enthalten Beta-Glucan, einen löslichen Ballaststoff)

Fermentierte Lebensmittel: Lebende Bakterien aus der Küche

Bei der Fermentation (Gärung) entstehen lebende nützliche Bakterien, sogenannte Milchsäurebakterien. Diese können das Mikrobiom direkt unterstützen. Einfach in den Alltag integrierbar:

  • Naturjoghurt (ohne Zuckerzusatz; auf der Packung «mit lebenden Kulturen» achten)
  • Kefir (fermentiertes Milchgetränk, leicht säuerlich)
  • Sauerkraut (fermentierter Weisskohl – am besten ungekocht aus dem Kühlregal, nicht pasteurisiert)
  • Kombucha (fermentierter Tee; die wissenschaftliche Evidenz zur gesundheitlichen Wirkung ist begrenzt und produktabhängig)
  • Kimchi (koreanisches fermentiertes Gemüse)

Die Schweizer Ernährungsempfehlungen empfehlen, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu wählen – Naturjoghurt ist dafür ein gutes Beispiel. [1]

Bewegung und Stressabbau: Gut für Darm und Geist

Regelmässige Bewegung und bewusste Auszeiten wirken sich positiv auf die Darmgesundheit aus – denn die Darm-Hirn-Achse reagiert sensibel auf Dauerstress. Die Schweizer Bewegungsempfehlungen (hepa.ch, getragen von BAG, BASPO und Gesundheitsförderung Schweiz) empfehlen Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche. Das entspricht z.B. fünfmal 30 Minuten zügiges Gehen, Velofahren oder Gartenarbeit. Neu gilt dabei: Jede Bewegung zählt – auch kurze Einheiten sind besser als keine. [5]

Probiotika: Nützliche Bakterien gezielt einnehmen

Probiotika sind Präparate (Kapseln, Pulver, Tropfen) oder Lebensmittel, die lebende nützliche Mikroorganismen enthalten. Ziel ist es, die Darmflora direkt zu verstärken. Entscheidend: Die Wirkung ist stammspezifisch – das bedeutet, nicht jedes Bakterium hilft bei jedem Problem. Verschiedene Bakterienarten wirken auf unterschiedliche Beschwerden. Nicht alle im Handel erhältlichen Produkte sind klinisch geprüft. Evidenz, Dosierung und Anwendungsdauer unterscheiden sich je nach Stamm und Indikation. 

Drei in der Forschung gut dokumentierte Beispiele: [6]

  • Lactobacillus rhamnosus GG – ein Milchsäurebakterium, das besonders gut bei Durchfall nach Antibiotika untersucht ist
  • Bifidobacterium longum – ein Bakterienstamm, der bei Reizdarmbeschwerden (wiederkehrende Bauchschmerzen und Blähungen ohne klare Ursache) eingesetzt werden
  • Saccharomyces boulardii – keine Bakterie, sondern eine Hefe (ein einzelliger Pilz). Vorteil: Sie überlebt eine laufende Antibiotika-Behandlung und kann gleichzeitig eingenommen werden

Wichtig: Nicht alle Probiotika-Produkte aus dem Drogeriemarkt sind gleich gut untersucht. Fachpersonen in der Apotheke unterstützen bei der Auswahl geeigneter Produkte und prüfen, ob eine ärztliche Abklärung angezeigt ist.

Bei schwer immunsupprimierten Personen oder kritisch Kranken sollte die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. 

Schritt 4: Wann ist fachliche Begleitung sinnvoll?

Manchmal reichen Alltagsmassnahmen nicht aus. In diesen Situationen ist ein Gespräch mit einer Fachperson empfehlenswert:

  • Beschwerden, die nach 2–4 Wochen trotz Ernährungsanpassung nicht besser werden
  • Verdauungsprobleme nach einer Antibiotika-Therapie
  • Unsicherheit bei der Auswahl von Probiotika
  • Bekannte Vorerkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Individuelle Betreuung macht hier den Unterschied – mit Zeit für Ihre Fragen und alltagstauglichen Lösungen.

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Hinweis zu verschreibungspflichtigen Therapien: Die nachfolgenden Informationen zur Stuhltransplantation (FMT) dienen ausschliesslich der allgemeinen Aufklärung und stellen keine Werbung dar. Therapieentscheidungen treffen ausschliesslich behandelnde Fachpersonen.

Mikrobiom-Tests und spezielle Therapien

Mikrobiom-Tests: Sinnvoll oder nicht?

Einige Labors bieten Stuhltests an, mit denen die Zusammensetzung der eigenen Darmflora analysiert werden kann. Solche Tests können erste Hinweise liefern – sie ersetzen aber kein Arztgespräch. Die Ergebnisse müssen von einer Fachperson eingeordnet werden, denn was als «normal» gilt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich. Kommerzielle Tests ohne ärztliche Begleitung sind daher nur eingeschränkt interpretierbar. Für viele der gemessenen Parameter bestehen derzeit keine klar validierten klinischen Referenzwerte, und die klinische Bedeutung einzelner Befunde ist häufig nicht eindeutig definiert. 

Stuhltransplantation (FMT): Eine Therapie für schwere Fälle

Bei der Stuhltransplantation (medizinisch: fäkaler Mikrobiota-Transfer, FMT) wird aufbereitete Darmflora einer gesunden Spenderperson auf eine kranke Person übertragen. Ziel ist es, eine schwer gestörte Darmflora wiederherzustellen.

Diese Therapie ist nicht für allgemeine Darmbeschwerden gedacht. In der Schweiz ist sie speziell für schwere, immer wiederkehrende Darminfektionen durch das Bakterium Clostridioides difficile zugelassen – einen Keim, der sich nach Antibiotika-Behandlungen ansiedeln kann und hartnäckige, gefährliche Durchfälle verursacht. Ob diese Therapie in Frage kommt, entscheidet ausschliesslich eine Ärztin oder ein Arzt.  Die Durchführung erfolgt ausschliesslich in spezialisierten Zentren unter strengen regulatorischen und infektiologischen Vorgaben. Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) betreibt eines der wenigen spezialisierten FMT-Zentren der Schweiz. [10]

Häufige Fragen zu Darmgesundheit und Mikrobiom

Wie baue ich meine Darmflora nach Antibiotika auf?

Ballaststoffreiche Ernährung (Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte), fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt und bei Bedarf stammspezifische Probiotika. Wichtig: Schrittweise steigern und mehr Wasser trinken (mind. 1,5 l täglich).

Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Präbiotika?

Probiotika sind lebende nützliche Mikroorganismen (z.B. Naturjoghurt). Präbiotika sind spezielle Ballaststoffe (z.B. Inulin in Chicorée), die diesen Bakterien als Nahrung dienen. Beide wirken zusammen am besten.

Welche Probiotika sind bei Darmbeschwerden sinnvoll?

Die Wirkung ist stammspezifisch. Beispiele: Lactobacillus rhamnosus GG bei Durchfall nach Antibiotika, Bifidobacterium longum bei Reizdarm, Saccharomyces boulardii (Hefe) gleichzeitig mit Antibiotika einnehmbar. Fachperson in Apotheke berät kostenlos.

Kann Stress wirklich Darmbeschwerden verursachen?

Ja. Die Darm-Hirn-Achse verbindet beide direkt. Dauerstress beeinflusst die Darmflora nachweislich und kann Blähungen, Durchfall oder Verstopfung begünstigen. Regelmässige Bewegung und bewusste Pausen helfen.

Was ist eine Stuhltransplantation und für wen kommt sie in Frage?

Bei FMT (fäkaler Mikrobiota-Transfer) wird aufbereitete Darmflora einer gesunden Person übertragen. Ausschliesslich für schwere, wiederkehrende Clostridioides-difficile-Infektionen – nicht für allgemeine Darmbeschwerden. Nur auf ärztliche Verordnung.

Transparenzhinweis / Haftungsausschluss

Dieser Beitrag wurde von PharmOnline erstellt und orientiert sich an öffentlich zugänglichen Schweizer Fachinformationen. PharmOnline und die angeschlossenen unabhängigen Apotheken geben keine Heilversprechen ab und übernehmen keine Garantie für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Informationen. Entscheidungen zu Diagnostik und Therapie dürfen ausschliesslich durch Ärztinnen, Ärzte oder andere dazu berechtigte Fachpersonen getroffen werden. Aus der Nutzung dieser Informationen können gegenüber PharmOnline keine Haftungsansprüche abgeleitet werden. Es besteht keine Kooperation mit Herstellern. Stand: Februar 2026.

Quellen

  1. SGE – Schweizer Lebensmittelpyramide und Ernährungsempfehlungen (2024)
    Empfehlung für abwechslungsreiche Ernährung; wenig verarbeitete Lebensmittel bevorzugen
    sge-ssn.ch – Schweizer Ernährungsempfehlungen
  2. BLV – Signal-Report: Darm-Mikrobiom und Zusatzstoffe (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen)
    Mikrobiom-Definition; Metabolik (Vitamine, kurzkettige Fettsäuren); Barriere-Funktion; Einflüsse (Ernährung, Zusatzstoffe); Dysbiose-Risiken
    blv.admin.ch – Signal-Report Darm-Mikrobiom (PDF)
  3. SGE – Nahrungsfasern: Bedeutung und Vorkommen
    Ballaststoffe als Nahrung für Darmbakterien; einseitige Ernährung schwächt Darmflora
    sge-ssn.ch – Nahrungsfasern
  4. SGE – Merkblatt Nahrungsfasern (PDF, 2022)
    Empfehlung von mindestens 30 g Ballaststoffen täglich; Flüssigkeitszufuhr mindestens 1,5 l täglich
    sge-ssn.ch – Merkblatt Nahrungsfasern (PDF)
  5. Gesundheitsförderung Schweiz / hepa.ch – Neue Bewegungsempfehlungen
    150 Min. Bewegung pro Woche für Erwachsene; «Jede Bewegung zählt»; positiver Effekt auf Wohlbefinden
    gesundheitsfoerderung.ch – Neue Bewegungsempfehlungen
  6. PharmaWiki – Probiotika (Dr. Alexander Vögtli, Stand: April 2024)
    Stammspezifische Wirkung von Probiotika; Lactobacillus rhamnosus GG, Bifidobacterium longum, Saccharomyces boulardii; Anwendung bei Durchfall, Reizdarm
    pharmawiki.ch – Probiotika
  7. PharmaWiki – Präbiotika (Dr. Alexander Vögtli)
    Definition und Wirkweise von Präbiotika; Inulin und Oligosaccharide; Kombination mit Probiotika (Synbiotika)
    pharmawiki.ch – Präbiotika
  8. PharmaWiki – Laktobazillen und Bifidobakterien (Dr. Alexander Vögtli)
    Antibiotika töten nützliche Darmbakterien; Laktobazillen normalisieren nach Antibiotikagabe die Darmflora
    pharmawiki.ch – Laktobazillen
  9. PharmaWiki – Darm-Hirn-Achse (Dr. Alexander Vögtli)
    Nervale Verbindung zwischen Darm und Gehirn; Einfluss von Stress auf Verdauung
    pharmawiki.ch – Darm-Hirn-Achse
  10. CHUV Lausanne – FMT-Zentrum (Stuhltransplantation)
    FMT bei wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen; CHUV als Schweizer FMT-Zentrum
    Hinweis: Seite ist auf Französisch verfügbar
    chuv.ch – Transplantation de microbiote fécal (TMF)

Bild: generiert mit Google Gemini